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Wie geht es den Leibniz-Forscherinnen und -Forschern inmitten der Corona-Krise? Wie kommen sie im Homeoffice und mit dem völlig neuen Alltag klar? Wir haben sie gefragt, was sich für sie durch Corona geändert hat, welche Strategien sie für das Leben mit dem Virus entwickelt haben – und auf was sie sich für die Zeit nach der Pandemie schon jetzt wieder freuen. Dieses Mal haben wir unseren Corona-Fragebogen nach Mannheim geschickt: an die Kulturpsychologin Lydia Repke.

Frau Repke, in welcher Situation treffen wir Sie an?

Da mein Partner aufgrund der derzeitigen Lage nicht arbeiten kann und unser sechsjähriger Sohn nicht in die Kita gehen darf, bespaßen sich die beiden tagsüber gegenseitig. Das ermöglicht mir den Luxus, an Tagen mit vielen Videokonferenzen ins Büro zu fahren, um von dort aus ungestört zu telefonieren. Den Rest der Woche arbeite ich vom heimischen Balkon aus – und genieße nebenbei das gute Wetter.

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Was haben Sie sich für die Krise vorgenommen?

Ich bin vor zwei Jahren nach Deutschland gezogen und war seither sehr erfolgreich darin, die mit Krimskrams gefüllten Boxen und Umzugskisten zu ignorieren. Nun habe ich die Zeit in der Wohnung genutzt, mich all der angesammelten Sachen zu entledigen. Außerdem habe ich diverse Dinge repariert und liegengebliebene Kreativprojekte zu Ende gebracht. Die Polster unserer Küchenstühle beispielsweise sahen durch die sehr aktive Nutzung unseres Sohnes so bekleckert aus, dass auch das beste Waschmittel nicht mehr helfen konnte. Jetzt haben wir sie mit vereinten Kräften bemalt. Salvador Dalí wäre vor Neid erblasst!

Wie halten Sie Ihre Kinder bei Laune?

Lego ist bei uns der absolute Renner. Insbesondere das Video „Die 50 besten Spielideen mit LEGO DUPLO“ hat uns so einige Tage gerettet. Wir haben die Ideen zu Hause nachgebaut und in eine Familienolympiade umgewandelt, mit Ringwurf, Bowling, Bingo und eigenem Schattentheater. Außerdem haben wir uns eine Art Schnitzeljagd ausgedacht: Wie viele Pflanzen befinden sich im Wohnzimmer? Finde in jedem Zimmer der Wohnung einen Gegenstand, mit dem man Sport machen kann! Renne zehnmal vom Schlafzimmer in die Küche und zurück! Und natürlich haben wir Experimente jeglicher Art durchgeführt. Je schleimiger und explosionsartiger, desto besser (s. Foto).

Was ist ihr derzeitiges Lieblingsgericht – und haben Sie einen Rezepttipp für uns?

Wir haben zu Hause mittlerweile eine ganze Eisproduktion am Laufen, in der wir Mango-, Erdbeer- und Blaubeereis bis hin zu Schokoladen- und Nusseis produzieren. Und das geht ganz schnell: Einfach ein paar gefrorene Früchte pürieren, einfrieren und fertig. Meine Lieblingssorte direkt nach Mango ist Schokolade: Dafür mixt man eine Dose Kokosmilch, ein paar Esslöffel echten Kakao, eine Prise Salz und Agavendicksaft nach Belieben. Und dann hinein ins Tiefkühlfach.

Ein guter Satz, den Sie kürzlich gelesen oder gehört haben?

Mein Sohn und ich haben neulich gemeinsam ein Giraffenbild ausgemalt. Während ich gerade mit den kleinen Flecken beschäftigt war, drehte er das Blatt plötzlich um 90 Grad und ich malte volle Kanne über die Linie hinweg. Ich rief leicht entsetzt „Hey!“, woraufhin mein Sohn aufmunternd antwortete: „Du weißt doch, wie man auf der Welt sagt: Wenn man etwas falsch macht, dann macht man einfach etwas Neues daraus.“ Diesen Satz fand ich sehr inspirierend. Das soll nicht heißen, dass wir momentan etwas falsch machen, vielmehr geht es darum, dass man neue, vielleicht auch unvorhergesehene Situationen nutzen kann, um etwas Besseres zu schaffen. Und so hoffe ich, dass die derzeitige Krise auch Verbesserungen mit sich bringen wird. Wann hat man schon die Chance, so aus dem Alltag herausgerissen zu werden und Sachen zu überdenken und neu zu planen? Warum nicht die Situation nutzen und direkt den Klimawandel und soziale Gerechtigkeit mitdenken?

Welche neuen Seiten haben Sie an sich entdeckt?

Ich habe das Gefühl, ruhiger geworden zu sein. Die fast schon meditative Stimmung auf den leeren Straßen hat mich irgendwie entspannt. Auch meinen Sohn erlebe ich in letzter Zeit viel glücklicher und ausgewogener als zu Kindergartenzeiten. Endlich hat er Mama und Papa (fast) die ganze Zeit für sich allein.

Hat die Corona-Krise Ihren Blick auf die Welt verändert?

Es ist doch erstaunlich, dass so ein klitzekleines Virus die ganze Welt auf den Kopf zu stellen vermag und Sachen erreicht, die tausende von Demonstrationen vorher nicht geschafft haben. Ich habe gelernt, dass es also doch geht: Die Welt kann zusammenarbeiten. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Worauf freuen Sie sich nach Ende der Krise am meisten?

Ich freue mich darauf, endlich wieder mit Menschen in Kontakt zu treten, ohne einen Mindestabstand einhalten zu müssen. Ich möchte meine Familie in Berlin, München und Barcelona besuchen, meine Freunde wieder in den Armen halten und mich auf alltagsversüßende Momente wie Konzertbesuche, Hochzeitsfeiern, Konferenzen & Co freuen können. Und außerdem möchte ich endlich wieder Padel-Tennis spielen!

LYDIA REPKE

ist seit 2018 als Postdoktorandin bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim tätig. Dort beschäftigt sie sich mit verschiedenen (inter-)nationalen Umfragen sowie der Methodik dahinter und berät beim Fragebogendesign. In ihrer Forschungszeit untersucht sie vor allem den Zusammenhang zwischen sozialen Netzwerken und Multikulturalität. Außerdem ist sie Sprecherin des Leibniz PostDoc Network und Mitglied der Jungen Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz.

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