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Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? In der Rubrik Frag Leibniz können Sie – die Leserinnen und Leser unseres Magazins – aktiv werden. Stellen Sie den Forschenden der Leibniz-Institute Ihre Frage. Wir machen uns auf die Suche nach einer Antwort.

Die Frage dieser Folge lautet: Gibt es in Zukunft noch Printmedien? Und wie kann man sie ersetzen?

Die Antwort stammt von Hermann-Dieter Schröder, Senior Researcher für Medienwirtschaft und Medienorganisation am Leibniz-Institut für Medienforschung, Hans-Bredow-Institut (HBI).

Zeitungen werden das nächste Printmedium sein, das nach und nach verschwindet.

HERMANN-DIETER SCHRÖDER

»Bei dieser Frage kommt es zunächst darauf, über welchen Zeitraum wir sprechen: Auf sehr lange Sicht werden Printmedien weitgehend verschwinden. Ersetzt werden sie dann durch elektronische Medien, vorerst durch elektronische Versionen der Printmedien.

Wenn die Printmedien verschwinden, dann tun sie das nicht aufgrund von Verboten, sondern weil sie nicht mehr profitabel sind. Und nicht mehr profitabel werden sie sein, wenn die Menschen, die an ihnen bisher so interessiert waren, dass sie dafür ihr Geld ausgegeben haben, die interessierenden Inhalte leichter oder preiswerter ohne Papier bekommen und sie auch leichter und angenehmer nutzen können.

Die Vervielfältigung von Printmedien ist schon heute teurer als die elektronische Vervielfältigung der gleichen Inhalte. Hinzu kommt der Schritt der Verbreitung, also die Zustellung zu den Leserinnen und Lesern, sei es mit der Post, über den Zeitschriftenhandel, den Buchhandel oder über Bibliotheken. Für die Zustellung von Zeitschriften und Zeitungen gelten bei der Post bisher günstigere Konditionen als für Briefe mit gleichem Gewicht. Es ist aber ungewiss, wie lange das so bleiben wird.

Trotz der höheren Vervielfältigungs- und Vertriebskosten gibt es die Printmedien heute aber immer noch. Es gibt also weitere Kriterien. Eines davon ist die Gewohnheit: Viele Menschen sind es (noch) nicht gewohnt, die Inhalte von Printmedien wie Büchern, Zeitschriften und Zeitungen elektronisch zu nutzen. Sie bevorzugen die Printmedien unter anderem deshalb, weil sie die Medien überall hin mitnehmen, mit anderen teilen und sie ohne technisches Gerät nutzen und leicht entsorgen können. »Papierkörbe« gibt es schließlich fast überall.

Und da ist noch ein zweiter entscheidender Aspekt für die Beantwortung dieser Frage: Ob und wann die Printmedien verschwinden, hängt auch davon ab, über welche Printmedien wir sprechen.

Am stärksten betrifft es die Zeitschriften. Dabei werden Fachzeitschriften wohl als erstes verschwinden, weil der schnelle Zugriff über das Netz für die berufliche Nutzung ein Vorteil gegenüber der Ausleihe aus einer Bibliothek ist. Es gibt bereits jetzt Fachzeitschriften, die nur noch elektronisch erscheinen, ganz ohne eine Printausgabe.

Auch bei Publikumszeitschriften gibt es einen Trend zur Verbreitung der gleichen Inhalte über das Internet. Zum Beispiel wird die ADAC-Mitgliederzeitschrift, eine der auflagenstärksten Zeitschriften in Deutschland, den Mitgliedern wahlweise nicht mehr als Printmedium, sondern elektronisch zugestellt. Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek wurde 2013 gar nicht mehr als Printmedium, sondern nur noch elektronisch verbreitet. Wirtschaftlich war dies ein Misserfolg, sodass Newsweek seit 2014 auch wieder als Printmedium erscheint.

Zeitungen werden das nächste Printmedium sein, das nach und nach verschwindet. Die Druck- und Vertriebskosten sind hoch, andererseits werden die Haushalte kleiner, sodass sich häufig nicht mehrere Personen ein Zeitungsabonnement teilen, sondern die Kosten von einer einzelnen Person getragen werden müssen. Ein Beispiel für den starken Zuwachs der Onlineverbreitung von Zeitungen ist die New York Times. Sie hatte Ende 2018 nur noch etwa 900.000 Print-Abonnenten, aber dafür rund 3,4 Mio. Digital Only-Abonnenten.

Auch bei Büchern ist es sehr verbreitet, dass sie gleichzeitig gedruckt und als E-Book erscheinen. Hier scheinen sich die Gewohnheiten der Leserinnen und Leser aber erst allmählich zu verändern. Wenn aber der Absatz von gedruckten Büchern stärker zurückgeht, kann es zu einem Kreislauf kommen, in dem immer mehr Buchhandlungen geschlossen werden müssten. Der direkte Zugang zum vielfältigen Buchangebot wäre dann eingeschränkt und der Absatz gedruckter Bücher würde weiter sinken. Gleichzeitig würden dann wohl die E-Books schneller an Bedeutung gewinnen.

Vornehmlich bei Schulbüchern ist allerdings davon auszugehen, dass sie für die Unterrichtung der jüngeren Kinder noch sehr lange Bestand haben werden. Das mag außerdem für regional oder lokal verbreitete Wurfsendungen wie Prospekte gelten, die versuchen, auch Leserinnen und Leser zu erreichen, die nicht bewusst nach Inhalten mit kommerzieller (oder politischer) Werbung suchen, bei denen es sich aber bis auf weiteres lohnt, sie damit zu konfrontieren. Auch hier werden aber letztlich die Verbreitungskosten der ausschlaggebende Faktor sein.«

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Wie groß ist der Weltraum? Kann man Dinosaurier zum Leben erwecken? Und wie funktioniert eigentlich unser Denken? Wohl jede und jeder von uns hat schon einmmal die kleineren und größeren Fragen des Lebens gewälzt. In unserer Rubrik »Frag Leibniz« können Sie die Forscherinnen und Forscher der Leibniz-Institute um Antwort bitten. Sie wollen es wissen? Stellen Sie hier Ihre Frage – wir leiten Sie direkt an das passende Institut weiter.

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