leibniz

»ERICH HONECKER. DAS LEBEN DAVOR«

Von MARTIN SABROW

Ein grauhaariger Mann in korrekter Kleidung, der Blick von einer Hornbrille verschattet. So kennt man Erich Honecker, dessen Porträt in der DDR allgegenwärtig war. Kaum vorstellbar, dass es »ein Leben davor« gab — und dass es einem Abenteuerroman glich. Martin Sabrow, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam, spürt Honeckers Jugendjahren nach und hinterfragt den kommunistischen Musterlebenslauf des späteren SED-Generalsekretärs. Er erzählt von einem Frauenhelden, Überlebenskünstler und Widerstandskämpfer. Und findet eine Erklärung, warum dieser interessante Mann später so verknöcherte: Die zehn zentralen Jahre seines Lebens verbrachte Honecker in nationalsozialistischen Zuchthäusern. Restlos auf Linie brachte den Lebenslauf dann die Propaganda der SED. Dank Sabrows spannend erzählter Biografie liegen die Widersprüche in Honeckers Leben nun wieder offen zutage. STEFANIE HARDICK

Erschienen im Verlag C.H. Beck

»DER BERÜHMTE HERR LEIBNIZ. EINE BIOGRAPHIE«

Von EIKE CHRISTIAN HIRSCH

Man kennt ihn, den Universalgelehrten. Den Mathematiker, erfinderischen Geist und Philosophen. Und kennt ihn doch nicht. Wer war Gottfried Wilhelm Leibniz, fragt Eike Christian Hirsch deshalb, was war er für ein Mensch? In der inzwischen dritten Auflage seiner Leibniz-Biografie nähert sich Hirsch der Person hinter dem Ausnahmedenker. Sofern das möglich ist. Denn Leibniz war vor allem ein ständig Getriebener, der seine Lebensaufgabe und -erfüllung in der Arbeit fand. Ein Privatleben scheint er nicht geführt zu haben. In den 10.000 Briefen und 80.000 eng beschriebenen Seiten, die er hinterließ, findet sich kaum etwas Persönliches. Und so hält sich Hirsch vor allem daran, Leibniz’ Werdegang erzählerisch nachzuvollziehen und seine wichtigsten Theorien und Entdeckungen im Kontext ihrer Entstehung zu erklären. Mit großer Hingabe führt der Journalist dem Leser vor Augen, wie »der berühmte Herr Leibniz« einer der größten Denker seiner Zeit wurde. Und trotz allem bis heute rätselhaft bleibt. SARA WALTHER

Erschienen im Verlag C.H. Beck

»UNSERE STEUERN. WER ZAHLT? WIE VIEL? WOFÜR?«

Von STEFAN BACH

Steuern sind ein Dauerthema. Ob beim jährlichen Ausfüllen der Steuererklärung oder der Diskussion über eine drohende »Katzensteuer«, irgendwann drängen sich wohl jedem die drei großen Fragen auf: Wer zahlt? Wie viel? Wofür? In seinem ebenso betitelten Buch gibt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Antworten. Der Ökonom schlägt »Sichtachsen durch den Steuerdschungel«, räumt auf mit Mythen und Fehleinschätzungen und erklärt den Hintergrund von Sozialabgaben. Konzise und pointiert gibt er einen Einblick in die weithin als spröde geltende Welt der Steuerpolitik. Wer nun über den Kauf des Buches nachdenkt, dem sei gesagt: Für die Printausgabe ist der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zu zahlen. Für die günstigeren E-Books werden 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnet. Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich der Kauf des Buches, egal in welcher Variante. MARLEN SOMMER

Erschienen im Westend Verlag

WAS LESEN SIE, FRAU CRESS?

»SCHICKSALSREISE von Alfred Döblin!«

Alfred Döblin zählt zu jenen Autoren, die immer mehr in Vergessenheit geraten. Oft wird sein Werk auf seinen Erfolgsroman »Berlin Alexanderplatz« reduziert, vielleicht noch auf den Erzählband »Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen«. Zu Unrecht! Zu den weniger bekannten, aber durchaus bedeutsamen Werken gehört der autobiografische Text »Schicksalsreise« aus dem Jahr 1949. Darin beschreibt Döblin seine Flucht vor den Nationalsozialisten über Frankreich, Spanien und Portugal in die USA. Ferner berichtet er von seiner Rückkehr in das Land, das doch einmal seine Heimat war, Deutschland. Döblin beschreibt ein Flüchtlingsleben. Es ist ein der Wucht der Zufälligkeiten ausgesetztes Leben, bar jeder Sicherheit. Dies ändert sich auch nicht nach dem Krieg. Der Schriftsteller muss erkennen, dass er auch in seinem Heimatland keinen Platz mehr hat. Er wird nicht bleiben, emigriert nach Frankreich. Ganz unzeitgemäß findet Döblin Halt in der Religion. Der assimilierte Jude konvertiert zum Katholizismus. Döblins »Schicksalsreise« berührt mich in doppelter Weise: Sie gibt Einblick in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und zugleich erinnert sie an die vielen Menschen, die heute auf ihrer Schicksalsreise sind. ULRIKE CRESS, Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien

Erschienen bei FISCHER Taschenbuch

Lesen · Literatur · G. W. Leibniz · ZZF · DIW · IWM

Vielleicht auch interessant?