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Vor zwei Jahren war ich Teil einer ganz besonderen Kooperation. Gemeinsam mit Kollegen aus den Naturkundemuseen in Stuttgart und Osnabrück präparierte ich damals eine Hybridbärin. An der wegen ihres auffällig hellbraunen Fells auch Cappuccino-Bär genannten Kreuzung aus Braun- und Eisbär zu arbeiten, war etwas ganz Besonders. Auch weil sie während des Abziehens der Haut weitere anatomische Überraschungen für uns bereithielt. Vor allem von ihren Pfoten war ich sehr beeindruckt: An den Vorderpfoten hatte sie die Tatzenstruktur eines Braunbären und an den Hinterpfoten die eines Eisbären.

Als Präparatorin in der Privatwirtschaft hatte ich es vorher acht Jahre lang mit den unterschiedlichsten Säugetieren zu tun. Für Museen und Privatpersonen präparierte ich mal zehn Zentimeter kleine Spitzmäuse, mal einen drei Meter großen Eisbären. Sogar Großkatzen wie Löwen und Leoparden waren dabei. Für Katzen aller Art hege ich eine besondere Leidenschaft, sie zählen zu meinen Lieblingstieren. Zusammen mit Affen gehören sie für mich zudem zu den am schwierigsten zu präparierenden Säugetieren.

Das Präparieren besteht aus vielen aufwendigen Arbeitsschritten: Erst muss ich die Haut abziehen und zum Gerber schicken, der sie haltbar macht. In der Zwischenzeit baue ich eine Form aus PU-Schaum, einem festen Material, das sich aber gut schnitzen, raspeln und schneiden lässt. Anschließend dauert es etwa bei einer Großkatze rund zehn bis zwölf Stunden, die Haut auf die Form zu nähen und mit einem speziellen Hautkleber zu befestigen, das Trocknen im Anschluss nochmal an die acht Wochen. Dann kommt das Endfinish: Mit einer Modelliermasse werden die haarlosen Stellen – zum Bespiel Nase, Augenlider und Pfoten – aufmodelliert und mit einer Airbrushpistole coloriert. Auf Nase und Augen wird Lack aufgetragen, der ein feuchtes Glänzen vortäuscht, um dem lebenden Tier möglichst ähnlich zu sein.

In unserer Ausstellung im Naturkundemuseum beeindruckt mich der Gorilla Bobby besonders. Er wurde 1935 präpariert, aber dafür ist seine Qualität wahnsinnig gut – ein echtes Highlight! Und auch den springenden Jaguar auf der Jagd nach zwei Aras schaue ich mir immer wieder gerne an. An ihm haben wir zu viert gearbeitet, und er hat uns 2018 den Titel Best of Show bei den European Taxidermy Championships eingebracht.

In Zukunft würde ich mich gerne mehr mit Tieren in Bewegung beschäftigen und eine ganze Gruppenszene präparieren. Sehr beeindruckt hat mich ein Bild, das 2019 für den Preis Wildlife Photographer of the Year nominiert war, eine Kampfszene zwischen einem Gepard und Wildhunden. Denn das ist die wirklich große Kunst: unsere statischen Präparate dynamisch aussehen zu lassen.

CHRISTIN SCHEINPFLUG ist Präparatorin am Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung in Berlin.

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