leibniz

Nomen est omen.

Überraschenderweise beschäftigen sich einige Dramenfiguren mit Namen und ihrer Relevanz; es hängen sogar ganze dramatische Entwicklungen daran, denken Sie nur einmal an Lohengrin, dessen vielversprechende Beziehung zu Elsa an der missachteten Auflage zerbricht, ihn nur ja nicht nach Herkunft, Weg und Namen zu fragen: »Niemals sollst du mich befragen …« Sie fragt natürlich doch, der Reisende muss ruhelos wieder aufbrechen, tragisches Ende der Braut (und anderer) und der Geschichte auch.

Auf den Grundsatz »Nomen est omen« hingegen baute schon die vorchristliche römische Komödie; für Faust sind Namen eher »Schall und Rauch«. Romeos Julia überlegt noch laut: »Was ist ein Name?«, denn: »Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.« Ja, klar, sage ich, das schöne Gewächs braucht für seine Wirkung ihren Namen nicht, wohl aber, um darin erkannt zu werden von jenen, denen man bisher nur davon erzählt hat: Wie würde man sich über den Duft der Rose verständigen, wenn gerade keine greifbar ist, wie würde man den Weg weisen zum Rosengarten, ohne ein Zeichen, einen Laut oder eine Buchstabenfolge, die allgemein geläufig sind?

Wie bedeutsam und sinnvoll Namen sind und sein können, zeigen abseits der großen Bühne und dabei ganz und gar undramatisch die wichtigen Funktionen von Namen, die uns im Alltag Wegweiser für Verhalten und Umgang sind: Sie dienen der Bezeichnung und der — nicht selten positiv konnotierten — Identifikation. Manchmal kennzeichnen Namen den Urheber dessen, was sie bezeichnen, auch gleich mit — erinnern Sie sich zum Beispiel noch an die »Rürup-Kommission« und ihren »Rürup-Bericht«? »Riestern« ist ja heute schon ein Verb.

Ich finde es also schon gut, etwas bei seinem Namen oder bei dem zu nennen, was es ist — ein Leibniz-Institut zum Beispiel. Das hilft etwa der Politik in Bund und Ländern und den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern, hervorragende Leistungen auch der Leibniz-Gemeinschaft korrekt zuzuordnen. Oder einen echten »Leibniz-Durchbruch« in der Forschung zu identifizieren. So gesehen frage ich mich, ob wir Faust vielleicht lange missinterpretiert haben? Vielleicht sind »Schall und Rauch« einfach der Nachhall und die luftige Ausbreitung des Feuerwerks der Namen? Der klangvollen Institutsnamen, die jeweils das »Leibniz« in sich tragen? Nur so ein Vorschlag …

MATTHIAS KLEINER

ist seit 2014 Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Zuvor war er von 2007 bis 2012 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Von 1976 bis 1982 studierte Matthias Kleiner Maschinenbau an der Universität Dortmund, wo er 1987 promoviert wurde und 1991 auch die Habilitation im Fach Umformtechnik erlangte.

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