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Arbeitsbiene, Wetterküche, Nahrungsangebot. Unsere Alltagssprache deutet es an: Die Natur arbeitet, auch für uns Menschen. Ihr Wert und dass ihr Schutz lohnt, blieb dennoch lange Zeit unbeachtet. Erst seit Ende des vergangenen Jahrhunderts nimmt die Umweltforschung die Arbeit der Natur in den Fokus: als »Ökosystemdienstleistungen«. 1999 schätzten Forscher den Wert der jährlichen Ökosystemdienstleistungen in einem »Nature«-Artikel auf rund 33 Billionen US-Dollar.

»Das Konzept hat die Umweltforschung in den vergangenen Jahren wesentlich geprägt«, sagt Katrin Böhning-Gaese, Biodiversitätsforscherin und Direktoriumsmitglied der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. »Aber zuletzt hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Blick auf die Leistungen der Natur globaler und immaterieller werden muss.«

Inzwischen fassen Wissenschaftler die Beiträge der Natur für den Menschen in 18 Kategorien zusammen, die sie in drei Gruppen unterteilen: Bei den materiellen Beiträgen handelt es sich zum Beispiel um Nahrung und Rohstoffe, zu den immateriellen zählen Erholung, persönliche Erfahrungen und Inspiration. Die dritte Gruppe bilden regulierende Beiträge wie Blütenbestäubung, Kohlenstoffspeicherung und Küstenschutz.

»Für mich ist das eine klare Analogie zum Blick auf materielle und immaterielle Kulturgüter«, sagt Katrin Böhning-Gaese. »Auf dieser Grundlage kann der Weltbiodiversitätsrat eine Beschreibung und Bewertung der natürlichen Ressourcen und Ökosysteme liefern. Politik und Gesellschaft können so wissenschaftsbasierte Entscheidungen treffen.«

Wie wichtig und bisher unterschätzt die immateriellen Beiträge der Natur wirklich sind, zeigen aktuelle Studien. So hat eine Befragung von mehr als 40.000 Menschen in Europa ergeben, dass neben wenig überraschenden Faktoren wie Einkommen oder sozialem Status das Vorhandensein einer großen Vogelvielfalt ganz wesentlich für die Zufriedenheit der Menschen ist. Das hat sogar die Vogelexpertin Böhning-Gaese erstaunt. Für Deutschland möchte sie die Ergebnisse mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin überprüfen.

Sie bestäuben Bäume und Pflanzen: Ohne Insekten müssten wir auf viele Obst- und Gemüsesorten verzichten. Darüber hinaus zersetzen sie Aas, Totholz oder auch Kot und sind eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tiere. Doch besonders die Landwirtschaft gefährdet ihren Bestand, man spricht von einem Insektensterben. Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig — Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere, Foto DAVID MAUPILE/LAIF
Der Tannenhäher ernährt sich von den Samen seltener Nadelbaumarten, seine Wintervorräte vergräbt er in den Böden von Gebirgswäldern. Weil einige von ihnen keimen, trägt der Vogel, dessen Lebensraum sich von Japan bis in die Westalpen erstreckt, entscheidend zur Verbreitung der Bäume bei. Sie schützen ihrerseits vor Lawinen und Erosion. Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Foto ROBERT CANIS/ROBERTHARDING/LAIF
Sie sind wichtige Kohlenstoffsenken und bieten Schutz vor Tsunamis. Außerdem ernähren die Mangroven Milliarden Menschen und Tiere. Weltweit gibt es etwa 15 Millionen Hektar Mangrovenwald. Rund 70 Pflanzenarten wachsen darin an tropischen Küsten und brackigen Felsmündungen. Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung, Foto OBIE OBERHOLZER/LAIF
Ob ölhaltiger Raps, schnellwachsende Gehölze oder biogasproduzierender Zuckermais. Pflanzen spielen eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung von morgen. Als nachwachsende Rohstoffe können sie klimaschonend und nachhaltig genutzt werden. Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie, Foto CLOUDVISUAL/UNSPLASH
Ihr Erholungswert wurde wie andere immaterielle Leistungen bislang kaum beachtet. Die Schönheit der Natur steigert das Wohlbefinden. Viele Menschen verbringen ihre Freizeit deshalb an der frischen Luft, wandern, schnorcheln, angeln oder gärtnern. Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, Foto FABIAN ZAPATKA
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