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Wie geht es den Leibniz-Forscherinnen und -Forschern inmitten der Corona-Krise? Wie kommen sie im Homeoffice und mit dem neuen Alltag klar? Wir haben sie gefragt, was sich für sie durch Corona geändert hat, welche Strategien sie für das Leben mit dem Virus entwickelt haben – und auf was sie sich für die Zeit nach der Pandemie schon jetzt wieder freuen. Dieses Mal haben wir unseren Corona-Fragebogen nach Mainz geschickt: an die Archäologin Louise Rokohl.

Frau Rokohl, in welcher Situation treffen wir Sie an?
Momentan arbeite ich wieder an zwei Tagen im Büro und den Rest der Woche im Homeoffice.

Wie hat sich die Arbeit im Büro verändert?
Vor Corona habe ich mir das Großraumbüro mit vielen (internationalen) Kolleg*innen geteilt. Um alle Abstände einzuhalten, wechseln wir uns mit den Bürotagen ab, sitzen vermehrt in der Bibliothek oder haben neue Einzelbüros bezogen.

Derzeit wird man mit Onlineangeboten nur so überhäuft. Was ist Ihr Favorit?
Schon vor Corona war der Weltspiegel meine absolute Lieblingssendung. Während der Zeit zu Hause habe ich auch das dazugehörige Podcast-Angebot der Auslandskorrespondent*innen der ARD für mich entdeckt. Hier werden Nachrichten aus der ganzen Welt (nicht nur über Corona) mit Fernweh kombiniert.

Wie halten Sie sich zu Hause fit?
Ganz klischeehaft haben wir angefangen mit einer bekannten YouTuberin zu trainieren, ihr Kanal nennt sich BodyKiss. Dafür verwandelt sich das Wohnzimmer vom Arbeitszimmer in ein kleines Fitnessstudio. Das Equipment hat sich seit März deutlich vergrößert und auch die Anzahl der Liegestütze, die ich schaffe.

Was vermissen Sie derzeit am meisten?
Ich vermisse es, unterwegs zu sein. Egal, ob dienstlich oder um meine Familie und Freund*innen zu besuchen; mehr als 2 Wochen am Stück war ich früher nie zu Hause.

Was ist Ihr momentanes Lieblingsgericht?
Nudeln mit Pesto, natürlich selbstgemacht: Frisches Basilikum (und andere Kräuter wie Petersilie), Nüsse (hier geht eigentlich alles), Parmesan oder Pecorino, Knoblauch nach Belieben, Olivenöl, Salz und Pfeffer mit einem Mixer (die beste Anschaffung während des Lockdowns!) zu einer dicken Creme pürieren und über frisch gekochte Nudeln geben.

Inwiefern ist die Corona-Krise Thema Ihrer Forschung?

Am RGZM befassen wir uns schon länger mit der Frage, wie widerstandsfähig Gesellschaften in Krisensituationen sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Psychologie, Lebenswissenschaften und Archäologie forschen hier gemeinsam zu Resilienz. Das Thema war schon vor Corona in aller Munde, aber nun findet man es täglich in den Zeitungen und die Protektbeteiligten kommen fast nicht hinterher, all die Interviewanfragen zu beantworten. Viele wünschen sich Tipps zum Umgang mit der Krise. Aber auch die historische Perspektive auf vergangene Pandemien wie die Pest ist von großem Interesse. Vor Kurzem hat zum Beispiel ein Kollege von mir diesen  Artikel  zu Pandemien im antiken Rom veröffentlicht.

Ein positiver Effekt der Krise?

Die Zeit zu Hause hat den Balkon sehr verändert, regelmäßiges Gießen tut Kräutern und Blumen erstaunlich gut. Und etwas egoistischer: Mein Freund sollte dieses Jahr komplett auf Forschungsreisen verbringen, wir hätten uns monatelang nicht gesehen. Da er keine Wohnung mehr in Deutschland hat, ist er seit den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes bei mir eingezogen und wir haben die letzten Monate gemeinsam verbracht. Nun wird er zwar wieder aufbrechen, aber natürlich freue ich mich auch sehr für ihn.

LOUISE ROKOHL

ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kompetenzbereich Römische Archäologie des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie. An dem Mainzer Forschungsmuseum beschäftigt sie sich unter anderem mit digitalen Dokumentationsmethoden und koordiniert ein Projekt, das untersucht, welche Faktoren Gesellschaften in Krisensituationen wie Krieg, Krankheit und Flucht in der Geschichte resilienter gemacht haben.

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