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Wie geht es den Leibniz-Forscherinnen und -Forschern inmitten der Corona-Krise? Wie kommen sie im Homeoffice und mit dem völlig neuen Alltag klar? Wir haben sie gefragt, was sich für sie durch Corona geändert hat, welche Strategien sie für das Leben mit dem Virus entwickelt haben – und auf was sie sich für die Zeit nach der Pandemie schon jetzt wieder freuen. Dieses Mal haben wir unseren Corona-Fragebogen nach Gatersleben geschickt: an den PhD-Studenten Valentin Hinterberger.

Herr Hinterberger, in welcher Situation treffen wir Sie an?

Ich arbeite seit zwei Monaten vollständig im Homeoffice, was so seine Tücken hat – vor allem, da meine Internetverbindung nicht besonders verlässlich ist. Aber meine Existenz ist gesichert und gesund bin ich auch, also ist meine Situation eigentlich ganz gut. 

Was lesen Sie derzeit?

Ich lese gerade die Psychologie der Massen von Gustave Le Bon aus dem Jahr 1895, eines der Grundlagenwerke der Massenpsychologie und im momentanen Kontext besonders aufschlussreich. Le Bon beschreibt das Phänomen, dass Individuen in einer Menschenmasse weniger kritisch sind und als Gruppe in einen selbstverstärkenden Prozess eintreten, der zu Handlungen und Aussagen führt, die sie als Einzelne nicht unterstützen würden. Laut Le Bon ist es einfacher, eine Menschenmasse von etwas Unwahrem zu überzeugen als jedes einzelne Individuum dieser Masse für sich. Dieses Phänomen beobachte ich täglich im Internet. In Form der räumlich entkoppelten Masse ist es zwar neu, aber vor dem Hintergrund von Le Bons Buch beruhigt es mich ein bisschen, dass Fake News, Verschwörungstheorien und Hatespeech nicht etwa neue Trends sind, sondern nur menschliches Kollektivverhalten in neuer Form. 
 

Derzeit wird man mit Onlineangeboten nur so überhäuft. Was ist Ihr Favorit?

Ich sehe gerade zum wiederholten Mal die Interviews von Günter Gaus. Das Format heißt Zur Person und die Videos sind auf YouTube verfügbar.

Was vermissen Sie derzeit am meisten?

Den Ortswechsel und dadurch die Trennung meines Arbeits- und Entspannungsorts.

Was ist Ihre momentane Lieblingsbeschäftigung?

Die Gartenarbeit, dabei hat man schnelle Erfolge und bekommt die vergehende Zeit viel eindrücklicher mit, als wenn man sie nur auf dem Kalender abliest. Außerdem hält der Garten mich fit. Alles, was ich dazu brauche, sind ein Spaten und ein auszugrabender Baumstumpf.

Welche Rituale haben Sie etabliert, um den neuen Alltag zu strukturieren?

Ich habe vermehrt gebacken. Das hat den Vorteil, gerade bei Baguette, dass es den Vormitttag in einstündige Intervalle zwischen dem Teigkneten einteilt.

Verraten Sie uns das Rezept?

Man nehme 700 Gramm Weizenmehl (Typ 550 oder 405), 520 Milliliter kaltes Wasser, zwei Teelöffel Salz und Hefe. Das ergibt einen sehr weichen Teig, also am besten nicht mit den Händen, sondern mit einem Löffel arbeiten. Anschließend eine Stunde an einem warmen Ort zugedeckt gehen lassen und danach falten. Vorher schaut man sich am besten dieses Video an. Der Vorgang wird drei- bis viermal wiederholt – je öfter, desto besser das Aroma des Brotes. Danach die Baguettes formen und noch einmal 45 Minuten gehen lassen. Bei 250 Grad fünf bis sechs Minuten backen, umdrehen und noch einmal vier bis fünf Minuten backen.

Wem sind Sie momentan am nächsten?

Meiner Freundin.

Ein guter Satz, den Sie kürzlich gelesen oder gehört haben?

Das hier ist keine Ausgangssperre. Ausgangssperre heißt, erschossen zu werden, wenn man vor die Tür geht.

Was gibt Ihnen Hoffnung?

Die Erfahrung, dass wir als Gesellschaft sinnvoll und mehr oder weniger kollektiv auf ein Problem reagieren können.

Ein positiver Effekt der Krise?

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen direkter und nahbarer geworden sind.

Worauf freuen Sie sich nach Ende der Krise am meisten?

Auf die Partys. Es wird interessant sein, wenn nach so langer Zeit wieder viele Menschen zum Feiern aufeinandertreffen!

VALENTIN HINTERBERGER

ist Doktorand am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben. Er arbeitet in der Abteilung Züchtungsforschung und beschäftigt sich hauptsächlich mit Themen der Weizengenetik. In der Genbank sucht er nach neuen Resistenzen gegen Blumeria Graminis (Mehltau). Außerdem betreut Hinterberger ein Projekt, bei dem es darum geht, neue Merkmale für eine erhöhte Saatgutproduktion bei Hybridweizen zu identifizieren.

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