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Im Epilog verkehren wir den Schwerpunkt »Gesundheit« in sein Gegenteil. Weitere Epiloge finden Sie hier.

Warum altern wir? Und was geschieht dabei in unserem Körper? Es ist schon erstaunlich, dass uns ausgerechnet winzige Würmer Antworten auf diese Fragen geben. Denn äußerlich sehen die blass-braunen Planarien mit den kleinen Knopfaugen uns Menschen gar nicht ähnlich. Doch in ihrem Innern verbergen sie Geheimnisse, die wir seit Jahrhunderten zu lösen versuchen: Die Würmer bleiben ewig jung und sind wahre Meister der Selbstheilung.

Wenn wir sie im Labor in zwei Hälften schneiden, bilden sich aus den beiden Körperteilen innerhalb von vierzehn Tagen zwei lebende Planarien; egal, wie oft wir ein Tier zerteilen. Selbst aus den kleinsten Gewebestücken wachsen immer wieder neue Klone. 279 Mal haben Forscher in den 1980er Jahren einen Wurm zerteilt. Und man kann das noch viel öfter tun. Doch was macht die Planarien so robust?

Die Antwort liegt in der Art ihrer Vermehrung: Planarien sind in der Lage, sich asexuell fortzupflanzen. Dazu heften sie den Schwanz an den Boden und marschieren mit dem Oberkörper so lange weiter, bis der Körper in zwei Hälften reißt. Das ist möglich, weil sie außergewöhnlich viele adulte Stammzellen haben, sogenannte Neoblasten. Diese Zellen können sich zu allen möglichen Geweben entwickeln, zu Nerven, Muskeln und Organen. Wenn eine Zelle abstirbt, teilt sich eine andere. Die Tiere erneuern sich permanent. Sie scheinen einen Mechanismus gefunden zu haben, dem Zahn der Zeit zu entkommen. Die Population wird niemals zugrunde gehen. Es wird immer Tiere in der Gruppe geben, die sich fortpflanzen. Ihre ungeschlechtliche Vermehrung, ihre ewige Jugend und die außergewöhnlichen Selbstheilungskräfte machen die Strudelwürmer unsterblich. Das macht die Tiere so faszinierend.

Aber was bedeutet das für uns Menschen? Viele Gene, die bei Planarien gefunden wurden, weisen auch wir auf. Sobald wir also die Vorgänge im Körper der Strudelwürmer erforscht haben, könnten wir diese Erkenntnisse auf uns übertragen und verstehen, warum wir altern und irgendwann sterben.

CRISTINA GONZÁLEZ-ESTÉVEZ forscht seit 17 Jahren an Strudelwürmern. In ihrem Labor am Jenaer Leibniz-Institut für Alternsforschung — Fritz-Lipmann-Institut leben etwa 1.000 Exemplare der Spezies Schmidtea mediterranea.

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