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Auf die Jungen ist Verlass!

Kürzlich saß ich mit einem jungen Wissenschaftler im Gespräch, es ging um dieses oder jenes, aber im Großen und Ganzen um konkrete Perspektiven. Dieser junge Mensch schilderte seinen Lebensweg, und das Zusammenspiel seiner beruflichen Stationen mit persönlichen Interessen und Aktivitäten kündete von sorgfältigen Entscheidungen. Jüngere Generationen schneiden im Vergleich gern schlecht ab, gerade aus Sicht ihrer Vorgänger. Das gehört zum Generationenwechsel einfach dazu. Heute werden der sogenannten »Generation Y« ihre Rückkehr zu Werten, zu konservativen Werten gar, und ihr Bedürfnis nach Ausgewogenheit von Beruf und Privatleben geradezu vorgeworfen. Die Shell Jugendstudie 2015, die im vergangenen Oktober veröffentlicht wurde, kommt zu interessanten, aus meiner Sicht sehr positiven Befunden: Die Jugendlichen heute sind optimistisch, sie interessieren sich für Bildung, Politik und Weltgeschehen abseits bestehender Parteiensysteme und würdigen Familie und ein stabiles soziales Umfeld ebenso wie Regeln im Umgang miteinander. Ihre Arbeit wünschen sie sich sicher, flexibel und interessant. Anders ausgedrückt: Sie wollen arbeiten, um zu leben, und nicht umgekehrt.

Darin steckt eine gehörige Portion Klugheit, und man wünscht ihnen, dass es klappt. Dass die Jugendlichen heute auch sorgenvoll in die Zukunft schauen, ist weniger ein Beleg eines biedermeierlichen Rückzugs, wie es gern einmal impliziert wird, als der Gedanken, die sie sich machen. Vielleicht liegt das an ihrer Informiertheit: Nahezu 100 Prozent der Jugendlichen sind online. Ich meine darin auch eine gewisse Gelassenheit zu erkennen, die diejenigen sich leisten können, die sich und ihre Umwelt auch im Voraus reflektieren. Die auch ein bisschen planen und dabei ganz und gar nicht spießig sind: Wer eine lange Radtour macht, hat besser Flickzeug dabei. Und sitzt längst im verdienten Schatten beim Erfrischungsgetränk, wenn andere ihren Platten noch zur Werkstatt schieben. »Gelassen läuft’s« lautete mal ein Autobahnplakat. Das ist eine Grundhaltung, die man auch den allzu rasch sich erhitzenden und empörenden Geistern unserer Gesellschaft wünscht. Das haben Kinder, Jugendliche und junge Kolleginnen und Kollegen oft längst verinnerlicht. Von ihnen lernen und gelassen bleiben? Das ist doch mal ein Vorschlag!

MATTHIAS KLEINER

ist seit 2014 Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Zuvor war er von 2007 bis 2012 Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Von 1976 bis 1982 studierte Matthias Kleiner Maschinenbau an der Universität Dortmund, wo er 1987 promoviert wurde und 1991 auch die Habilitation im Fach Umformtechnik erlangte.

Weitere Folgen seiner Kolumne Nur so ein Vorschlag ... finden Sie hier.

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