leibniz

Gute Ideen für den Herbst.

Es ist Sommer, wenn Sie das zweite »leibniz«-Magazin des Jahres in den Händen halten; unsere Ausgabe für den Strandkorb oder wenigstens eine, die das Urlaubsgefühl reaktiviert; eine, die Sie zwischendurch versonnen niedersinken lassen, weil Sie sich ganz bewusst die Genüsse des Sommers vergegenwärtigen wollen — sehnsüchtig, wenn sie schon hinter Ihnen liegen, und vorfreudig, wenn Sie noch auf sie warten.

Bis zur Sommerpause war es laut. Schön, dass es nun ruhiger wird; da ist all das, was dann verstummt, unter Wasser, in den Bergen, im Stimmengewirr im Restaurant, im Lachen und Rauschen am Strand, in der absoluten Stille in der Morgendämmerung, beim Wandern, Segeln und Ruhen. Meinungen, Empfehlungen und Vorschläge gibt es immer viele von vielen: zum Spiel des deutschen Kaders bei der Fußball-Weltmeisterschaft zum Beispiel. Vielleicht war sogar der eine oder andere Hinweis dabei, der der Mannschaft über die Vorrunde geholfen hätte ...

Aber ich finde, dass der Sommer eine gute Zeit ist, auch einfach mal keinen Vorschlag zu machen. Bei Bedarf, wenn wir Informationen und Einschätzungen brauchen, können wir ja getrost Expertinnen und Experten fragen — und auf sie hören. Auch dafür werden Wissenschaft und Forschung öffentlich gefördert. In der Leibniz-Gemeinschaft zum Beispiel sind das mehr als 19.000 Menschen, und jeder von ihnen ist ein Experte oder eine Expertin für etwas — für bestimmte Fragen, Methoden, Sachverhalte, für Administration, im Labor und für vieles mehr.

Das in einer Gesellschaft verteilte Wissen entbindet jedes Individuum davon, alles, aber wirklich alles, selbst lesen, verstehen und wissen zu müssen. Wer sich eine Meinung bilden möchte, kann auf das Wissen und die Expertise anderer zurückgreifen — und an anderer Stelle die eigene teilen.

Mein Vorschlag für den Sommer ist also: sich auch einmal zu enthalten, aufzutanken, zu entspannen und mit jeder Menge guter Ideen zurückzukommen in den Herbst.

MATTHIAS KLEINER

ist seit 2014 Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Von 2007 bis 2012 war er Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Von 1976 bis 1982 studierte Matthias Kleiner Maschinenbau an der Universität Dortmund, wo er 1987 promoviert wurde und 1991 auch die Habilitation im Fach Umformtechnik erlangte.

Weitere Folgen seiner Kolumne Nur so ein Vorschlag ... finden Sie hier.

Nur so ein Vorschlag …