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»ABGRUND«

Von BERNHARD KEGEL

Nachdem er 2013 von den Galapagos-Inseln zurückgekehrt war, berichtete Bernhard Kegel uns in einem Interview von den algenfressenden Meeresechsen und den Pinguinen, die er von einem Forschungsschiff aus beobachtet hatte. Aber auch vom Tourismus, der die Bewohner der Inseln ernährt und zugleich ihr größtes Kapital zerstört: die Tier- und Pflanzenwelt des Archipels. Vier Jahre nach der Recherche mit einem Team des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung schickt der Schriftsteller nun den Kieler Meeresbiologen Hermann Pauli in den Ostpazifik. Es ist Paulis erste gemeinsame Reise mit seiner Freundin, der Kriminalpolizistin Anne. Doch schnell wird der Urlaub zu seinem drittem Fall. Auf der Jagd nach einem seltsamen Hai stößt Pauli auf Veränderungen in der marinen Lebensgemeinschaft, an Land kommt es derweil zu Gewalt. Wissenschaftlich fundiert macht Kegel — selbst promovierter Biologe — Klimawandel, Meeresversauerung und Defaunation greifbar. Schon nach seiner Rückkehr aus Galapagos hatte er angekündigt: Ich möchte beschreiben, was es für Meeresforscher bedeutet, sich einem todgeweihten Ökosystem zu widmen. DAVID SCHELP

Erschienen im mareverlag

»SIE VOLLPFOSTEN! GEPFLEGTE BELEIDIGUNGEN FÜR JEDEN UND JEDE«

Von ANDRÉ MEINUNGER

Benimm-Trainer, Eltern und Sprachwächter könnten es für den Untergang des Abendlandes halten: Ein habilitierter Sprachwissenschaftler bezeichnet Schimpfen als »Akt der Kultur«, legt eine Sammlung ausgewählter Verbalinjurien vor — und das auch noch im Dudenverlag! Tatsächlich präsentiert André Meinunger vom Berliner Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft in seinem Werk gepflegte Beleidigungen für jeden und jede. Nach einer kurzen Einleitung zur Theorie des Schimpfens beleuchtet der Linguist mehr als 200, nach Lebensbereichen sortierte, Schimpfwörter. Vom infantilen Kacka über die eher niedliche Couchpotatoe, den nicht ganz kollegialen Sesselfurzer und neuere Entwicklungen à la Nerd, Bitch und Opfer bis hin zu hier nicht zitierfähigen Beispielen. Meinunger weist zudem darauf hin, dass Schimpfen auch gute Seiten hat: Stressabbau und — nota bene — die Förderung der sprachlichen Kreativität und Kompetenz. Ob es dieses durchaus amüsante Buch deshalb in den Deutschunterricht schaffen wird? CHRISTOPH HERBORT-VON LOEPER

Erschienen im Dudenverlag

»WILDE GENE. VOM VERBORGENEN LEBEN IN UNS«

Von TIMO SIEBER & HELGA HOFMANN-SIEBER

Am Anfang war ein Klostergarten im tschechischen Brunn. Um 1854 kreuzt ein Augustinermönch dort tausende Erbsenpflanzen und merkt schnell, dass ihnen etwas innewohnt, das zur Ausbildung bestimmter Merkmale führt. Heute gilt Gregor Mendel als Vater der Genetik, auch wenn dieses Etwas erst 1909 als Gen betitelt wird. Wir wissen inzwischen, dass die Gene viel mehr bestimmen als unser Aussehen, weltweit untersuchen Forscher ihre Beschaffenheit und Eigenschaften. Trotzdem bleibt vieles rätselhaft, denn oft machen die Gene schlicht ihr eigenes Ding. Helga Hofmann-Sieber vom Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie und ihr Mann Timo Sieber haben ihnen dabei zugesehen. Was ist ein Gen, wie sind Gene entstanden und warum mutieren sie ständig? Auch wenn es kompliziert wird, bleiben ihre Antworten stets verständlich — und amüsant. Es zahlt sich wohl aus, dass das Hamburger Forscherpaar seit Jahren in der Szene der Science Slammer unterwegs ist. DAVID SCHELP

Erschienen im Rowohlt Verlag

WAS LESEN SIE, HERR HASLINGER?

DIE NEUE ORDNUNG AUF DEM ALTEN KONTINENT von Philipp Ther!

Es begann mit dem Mauerfall. Binnen kurzer Zeit wurde den Staaten des ehemaligen Ostblocks im Nachgang zu 1989 eine neue Ordnung übergestülpt, der Neoliberalismus erhielt Einzug und veränderte sie radikal. Philipp Ther skizziert den Umbruch facettenreich und räumt zugleich mit einer Reihe von Ost-Klischees auf. Ganz zu Recht erhielt er 2015 den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse. Seine feinsinnige Analyse finde ich heute lesenswerter denn je. Nur wenige Jahre nach der Osterweiterung der Europäischen Union stehen Namen wie Viktor Orbán oder Jarosław Kaczyński für den Aufstieg populistischer Parteien in Europa und für eine Politik, die sich auf nationale Interessen beruft, durch den Umbau des demokratischen Systems jedoch vor allem die eigene Macht sichern will. Immer wieder heißt es, dass die Erfolge der europäischen Einigung wesentlich von der östlichen Peripherie her in Frage gestellt werden. Thers Buch macht deutlich, welche strukturellen Merkmale und Pfadabhängigkeiten diese Bewegungen stärken; es hilft aber auch einen differenzierten Blick auf Europakritik und Populismus zu bewahren. Denn vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen in den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien — Stichwort Brexit — wird klar, dass diese Phänomene nicht nur Europas Osten betreffen. PETER HASLINGER, Direktor des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung

Erschienen im Suhrkamp Verlag

Lesen · Literatur · ZMT · ZAS · HPI · HI

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