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Wie hat die Corona-Pandemie weltweit das Lehren, Lernen und Leben an Universitäten verändert – und was davon bleibt? Wir haben an vier Universitäten nachgefragt. Dieses Mal antwortet Suzanne Walsh. Sie ist Präsidentin des Bennett College in Greensboro/North Carolina und Mitglied im Global Learning Council.

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LEIBNIZ Frau Walsh, was hat sich für Ihre Hochschule als größte Herausforderung bei der Umstellung auf digitales Lehren und Lernen erwiesen?

SUZANNE WALSH Die größte Herausforderung für uns am Bennett College war die Transformation von einem College ohne Distanzunterricht oder digitales Lernen zu einem College, das ausschließlich in Distanz und digital unterrichtet hat. Es hat jedoch ziemlich reibungslos funktioniert, weil wir unseren Dozent:innen im Sommer und während des Semesters Fortbildungsmaßnahmen angeboten haben.

Welche Unterstützung für digitales Lehren und Lernen wünschen Sie sich in Zukunft an Ihrer Institution?

Kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung und Coachings für unsere Dozent:innen, die genau auf ihre Fächer und bevorzugten Lehrstile abgestimmt sind. In einer idealen Welt wäre jedes Fakultätsmitglied jedes Jahr Teil einer Kohorte mit einem Coach, sodass alle zu jeder Zeit Unterstützung und einen sicheren Rahmen hätten, um neue Tools und Techniken auszuprobieren.

Was möchten Sie anderen über digitales Lehren und Lernen vermitteln, welchen Rat können Sie geben?

Investieren Sie in die Weiterentwicklung und das Lernen an Ihrer Fakultät. Reflektieren Sie am Ende jedes Semesters gemeinsam mit ihren Lehrkräften, was gut lief und was nicht so gut funktioniert hat. Ich habe mich mit allen Fakultätsmitgliedern getroffen und zusammengesetzt. Oft haben sie sich am Ende gegenseitig unterstützt und großartige Wege gefunden, um das technologiebasierte Lernen am Bennett College zu verbessern. Noch ein letzter Punkt, der mir wichtig ist: Wir sollten unsere Sprache umstellen und von technologiebasiertem statt von digitalem Lehren und Lernen sprechen. Wenn wir technologiebasiert sagen, spielt die menschliche Interaktion noch immer eine wichtige Rolle – digital klingt dagegen unpersönlich. Für die Studierenden, die gerade neu anfangen, ein geringes Einkommen haben oder die Students of Colour hier am Bennett College ist der menschliche Aspekt ausschlaggebend – sei er auch noch so klein.

Der Global Learning Council (GLC) ist eine virtuelle Organisation, die Vordenker für den effektiven Einsatz von Technologie zusammenbringt, um den Zugang zu Bildung zu ermöglichen und Lernergebnisse weltweit zu verbessern. Der GLC wurde 2013 gegründet und bietet eine Plattform, um Führungskräften, Organisator:innen und Innovator:innen aus der Wissenschaft, der Industrie und dem Non-Profit-Sektor zu verbinden, um kooperative Prozesse zu fördern und innovative Strategien für digitales Lernen voranzutreiben.

Leibniz-Präsident Matthias Kleiner ist Vorsitzender des GLC. Die GLC-Geschäftsstelle hat ihren Sitz im Haus der Leibniz-Gemeinschaft.

Wie haben Bildungseinrichtungen weltweit auf die Pandemie reagiert? – Ein Interview mit Friedrich W. Hesse, dem Co-Vorsitzenden des GLC und der Projektmanagerin Anne Leiser, die eine Studie zur pandemiebedingten Digitalisierung durchgeführt haben, finden Sie hier

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