Wenn man sich mal eines Projektils entledigen musste oder einen Blick unter die Schädeldecke werfen wollte, waren diese Instrumente schnell zur Hand. Heute sind sie (zum Glück) Teil der medizinhistorischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums.
*Bei der Auswahl der Objekte haben uns Jens Wagner und Mia Zimmermann vom Germanischen Nationalmuseum — Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte geholfen.

Medizinische Zangen gibt es seit der Antike in den unterschiedlichsten Formen. Dieses elegante Modell stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es verfügt über lange, dünne Backen, die in spitzen Zinken enden. Diese konnten verhältnismäßig tief in den Körper eingefügt werden und ermöglichten so präzise Arbeiten an schwer zugänglichen Stellen — zum Beispiel, um Projektile, Blasensteine oder Tumoren zu entfernen.

Mit diesem sogenannten Schnepper konnten Blutgefäße flink und sauber für den Aderlass geöffnet werden. Das gerade einmal fünf Zentimeter messende Gerät aus dem 18. Jahrhundert wurde auf die Haut aufgesetzt. Durch das Hochschieben des kleinen Metallhebels spannte sich eine Feder im Innern, die – wurde der Hebel auf der Oberseite gedrückt – eine kleine Klinge ausschnellen ließ. Die scharfe Schneide hinterließ einen feinen und präzisen Schnitt. Der Vorgang verlief schneller und kontrollierter als mit einem Skalpell und bereitete dem Patienten weniger Schmerzen. Spätere Schnepper verfügten über eine Schraube, mit der sich sogar die Schnitttiefe einstellen ließ.

Diese handbetriebene Kettensäge wird auch als Osteotom bezeichnet, die Knochen-Chirurgie verdankt sie dem Würzburger Orthopäden und Instrumentenmacher Bernhard Heine. Mit ihr öffneten Operateure den Körper. Die Schnittführung war exakter als mit gängigen Handsägen, Meißeln oder Knochenbohrern, sodass eine kleinere Wunde entstand. Das Osteotom wurde mit einer Handkurbel angetrieben: eine Hand dirigierte die Säge, die andere kurbelte, und dank einer Schulterstütze vermochte der Chirurg zusätzlich Druck auf das Instrument auszuüben. Für seine Erfindung erhielt Heine 1836 den Preis für Chirurgie der französischen Akademie der Wissenschaften. Heute wird sein Osteotom aber nicht mehr verwendet.

Bei diesem Instrument handelt es sich um eine Mundsperre aus dem 19. Jahrhundert. Sie fand in der Zahnmedizin oder bei chirurgischen Eingriffen in Mund und Rachen Anwendung, um den Mund der Patientinnen und Patienten offen zu halten – beispielsweise beim Entfernen der Mandeln. Die glatte, breite Metallplatte wurde auf die Zunge gelegt, mit dem rauen Griff konnte der Arzt sie dann mit einer Hand nach unten drücken oder zur Seite schieben. Mit der anderen führte er sein Operations-Besteck durch die runde Öffnung. Zuletzt kann der Mundspreizer bei sehr unkooperativen Patienten oder solchen, die durch Chloroform betäubt sind, dazu dienen, [chirurgische Eingriffe] zu erleichtern
, schwärmte der französische Chirurg Édouard Chassaignac 1854.

Diese kleine Amputationssäge ist ein medizinisches Präzisionswerkzeug. Auffallend ist die Einbuchtung am Stiel, kurz hinter der Klinge, die wie eine Halterung anmutet. Aber nein! Fasst man die Säge am Griff, ruht der Zeigefinger genau an dieser Stelle und fügt sich in die Mulde – ein bisschen wie der Finger am Abzug einer Pistole. Die Hand des Chirurgen hat so mehr Halt und ist dabei äußerst platzsparend mit dem Werkzeug verbunden, was das Operieren auf wenig Raum erleichtert.

Bei dem kurios anmutenden Objekt auf der rechten Seite handelt es sich nicht um eine fiesere Ausführung des Schlagrings, sondern um einen »Handapparat zum Aufschneiden von steifen Verbänden« – patentiert im Jahr 1896. An einer mit zwei Fingern zu fassenden Halterung sind eine Führungsschiene und ein Sägeblatt angebracht. Die Spitze der Führungsschiene wird vorsichtig am Gipsverband angesetzt. Wird nun der Hebel, der das Sägeblatt gabelartig umfässt, nach vorne geschoben, beginnt sich die Kreissäge zu drehen und den Verband zu öffnen.

Die Alraune, ein in Europa heimisches Nachtschattengewächs, wird auch als Galgenmännlein bezeichnet. Das geht auf die Legende zurück, dass sie aus dem in den Boden getropften Sperma oder Urin eines erhängten Diebes erwächst – also immer unter einem Galgen. Der Volksglaube sprach der Alraunenwurzel allerlei Unheil abwehrende und Krankheiten heilende Eigenschaften zu, weshalb sie oft in medizinischen oder pharmazeutischen Sammlungen zu finden ist. In die Form eines Männchens geschnitzt und mit Kleidern versehen, diente das winzige Figürchen als Talisman oder Amulett.

Schon in früheren Jahrhunderten scheuten sich Ärzte nicht, zur Behandlung von Kopfverletzungen auch mal die Schädeldecke zu öffnen. Die dafür verwendeten Trepanierbohrer waren essenzielle chirurgische Instrumente, um bei Schädelbrüchen den Hirndruck zu senken oder das Entfernen von Knochensplittern zu ermöglichen. Der Bohrer wurde möglichst senkrecht auf die Schädeldecke aufgesetzt und schnitt bei manueller Drehung des Griffs einen kreisrunden Knochendeckel aus dem Schädel heraus. Es gab Patienten, die solche Eingriffe überlebten.

Zu den ältesten Instrumenten der Zahnmedizin gehören Zangen zum Ziehen kranker Zähne. Bei bereits ausgehölten Backenzähen bestand immer die Gefahr, diese zu zerbrechen. Sie restlos aus dem Kiefer zu entfernen, wurde dann unmöglich – was zu schmerzhaften bis tödlichen Entzündungen führen konnte. Zum Glück gab es den Pelikan
. Der drehbare Haken wurde an der Innenseite des kranken Backenzahnes angelegt, der in einem geriffelten Halbrund endende Stab an der gegenüberliegenden Außenseite platziert. Das Halbrund diente dem Zahnarzt als Widerlager und Abrollbereich, während er sich mühte, den Zahn herauszuhebeln.



