Im späten 3. Jahrtausend vor Christus beschwerte sich der sumerische Händler Nanni aus Ur bei seinem Handelspartner Ea-nasir, dass er ihn mit minderwertigem Kupfer aus dem Kupferland Magan — dem heutigen Oman — beliefert habe. Von ihrem Streit wissen wir aus einer sumerischen Quelle. Unklar blieb aber lange, was genau mit minderwertigem Kupfer und »schlechten Barren« gemeint war.
Anfang der 1980er Jahre lieferte eine Ausgrabung im nördlichen Hadschar-Gebirge die Antwort. Neben anderen Gegenständen wurden in einem bronzezeitlichen Damm 20 Kupferbarren geborgen. Die später vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum durchgeführten archäometallurgischen Untersuchungen ließen deutlich erkennen, dass hier einst ein fauler Handel vollzogen wurde: Statt Kupfer enthielten viele der Barren einen Kern aus Schlacke, ein Abfallprodukt aus der Gewinnung von Metallen.
Entfremdete der Beginn des kommerzialisierten Rohstoffabbaus und -handels Menschen in ihrem Vertrauen zueinander?
Wurden die Barren von den lokalen Gemeinschaften hergestellt, um gezielt zu täuschen? Mussten ihre Handelspartner, etwa Nanni aus Ur, solche Praktiken also in Kauf nehmen Unlautere Handelspraktiken dürften damals bereits Gang und Gäbe gewesen sein. Im Leibniz-WissenschaftsCampus »Resources in Transformation« untersuchen wir sie und fragen, wie der Beginn eines kommerzialisierten Rohstoffabbaus und -handels Menschen in ihrem Vertrauen zueinander entfremdete.



